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Da steht er – prächtig anzuschauen, imposant und doch von filigraner Schönheit: der Palazzo in Tegernsee. Vorbei ist die Zeit, als nach den glamourösen Jahren als Serbenvilla und Grandhotel der Glanz verblasste und der Palazzo nur noch als Polizeistation und Wohnhaus diente.

Eine neue Epoche hat begonnen. Ein Wohnhaus wird der Palazzo auch in Zukunft sein, aber unter seinem neu eingedeckten Titanzinkblech-Dach sind wahrlich nicht nur 13 exklusive Eigentumswohnungen entstanden. Kerstin Bertz hatte es sich vielmehr zur Aufgabe gemacht, die denkmalgeschützte Immobilie nicht nur zu sanieren und zu revitalisieren, sondern ihr die einstige Optik wiederzugeben: „Wir haben uns an den Originalplänen orientiert, sämtliche Um- und Einbauten, die in den vergangenen Jahrzehnten vorgenommen wurden, beseitigt.“

Am augenfälligsten ist – von außen betrachtet – dass der Zugang zu dem in den Farben Weiß, Sandstein und Grün gehaltenen Palazzo nicht mehr über die Seite, sondern von der Münchner Straße aus erfolgt. Wer das hölzerne Rundbogenportal öffnet, den Palazzo betritt, findet sich sofort inmitten der Historie des von den Gebrüdern Thiersch entworfenen und errichteten Hauses. Kerstin Bertz: „Dieser Eingangsbereich war hinter nachträglich eingezogenen Innenwänden verborgen. Als wir diese einrissen, entdeckten wir das Entree mit seinen beiden Rundbogen – jenem im Eingang, den anderen als Durchlass zum Treppenhaus. Es war selbstverständlich, dass wir das Entree nach den Vorgaben der Gebrüder Thiersch rückgebaut haben und es nun wieder so repräsentativ ist, wie es einst war.“

Dazu mussten allerdings 1,60 Meter auf das heutige Straßenniveau tiefer gegraben werden, denn zu Zeiten als noch Kutschen verkehrten, Straßen alles andere als sauber waren, stieg man bequem über ein Podest vor dem Hauseingang in die bzw. aus der Kutsche. Der Höhe des Podestes (mit Seitentreppen für Fußgänger) angepasst war natürlich der Zugang in den Palazzo.

Gleichwohl musste darauf geachtet werden, dass aufgrund der direkten Seelage ein eventuelles Hochwasser, wenn der Tegernsee über die Ufer tritt, nicht die Innentreppe im Eingangsbereich überwinden kann. Kerstin Bertz: „Das Treppenhaus und die im Erdgeschoss liegenden Wohnungen werden auch bei einem auftretenden Hochwasser trocken bleiben. Damit eindringende Fluten keine Schäden anrichten können, haben wir die Stufen und die Wände mit Naturstein verkleidet.“ Stuck, Kronleuchter und dazu passende Wandleuchten verleihen dem Entree jetzt nicht nur ein einladendes, sondern ein besonderes Ambiente.

Wer oben an der Treppe im Erdgeschoss angekommen ist, sollte seinen Blick nach unten zu seinen Füßen richten. Er wird über einen eingelegten Mosaikfliesenteppich schreiten, angelehnt an die Historie - auch in den Farben, die das gesamte Treppenhaus zieren: ein natürlicher Sandton, ein warmes Gelb und ein unaufdringliches Ochsenblutrot. Kerstin Bertz: „Genau diese Farben haben wir an diversen Stellen in dem Gebäude vorgefunden.“

Im Original erhalten werden konnte das gesamte Treppenhaus. Kerstin Bertz: „Die Holzstufen wurden abgeschliffen, lasiert und oberflächenbehandelt, die Geländerstäbe und der hölzerne Handlauf wurden ebenfalls überarbeitet. Auf den Zwischenpodesten mussten allerdings partiell Lücken im Parkettboden geschlossen werden.“

Ein solches Treppenhaus bedingt jedoch auch einen besonderen Brandschutz. Kerstin Bertz: „Der Brandschutz in denkmalgeschützten Häusern ist ein wichtiges und sensibles Thema, das intensiv und gemeinsam mit der zuständigen Behörde und der Beauftragten für Brandschutz bis ins kleinste Detail bearbeitet wurde. Im Palazzo beispielsweise haben wir vollflächige, selbst schließende Wohnungstüren, um im Ernstfall ein Überschlagen von Flammen im Treppenhaus auf die Wohnungen zu verhindern.“

Eine Herausforderung stellte zudem der Einbau eines Fahrstuhls dar. Kerstin Bertz: „Das ist eines der Probleme, dass in Denkmalschutzobjekten zu lösen ist, damit Alt und Neu miteinander harmonieren. Wir haben uns für einen behindertengerechten Außenlift auf der Rückseite des Palazzo entschieden. Selbstverständlich ist er von jeder Ebene im Inneren des Hauses zugänglich, aber er hält auch dort, wo der Steg vom Treppenhaus aus zu der terrassenförmig angelegten Gartenanlage führt.“

Alt in Neu zu integrieren und umgekehrt ist oftmals eine Herausforderung, so wurde in einer der Erdgeschosswohnungen die Gefängniszelle der ehemaligen Polizeistation zum Schlafzimmer. Dafür wurden Mauern abgetragen, die tonnenweise Stahl in sich bargen.

Auf etwas nicht Alltägliches können auch die Eigentümer der Wohnung Nummer Fünf verweisen. Kerstin Bertz: „In dieser Wohnung stießen wir auf die meisten ursprünglichen, denkmalgeschützten Türen. In einem der Rahmen hat sich der Tischler verewigt. ,Anno 1838 Ohlmüller‘ gravierte er ein. Was selbstverständlich von den Restaurateuren nicht entfernt wurde.“

Bisweilen war das Leben, das den Palazzo in der Vergangenheit erfüllte, plötzlich wieder spürbar. Das passierte dem Bertz-Team in den zwei Wohnungen auf der ehemaligen Bel Etage des einstigen Grandhotels. Kerstin Bertz: „Nachdem wir die Zwischendecken in der Wohnung Nummer Sieben entfernt hatten, wussten wir, dass wir in der früheren Lounge des Bayerischen Hofes standen. Die wunderschöne Stuckdecke war braun-gelb verfärbt, weil sich hier der Rauchersalon, damals den Herren vorbehalten, befunden haben musste. Wo heute Küche mit Essbereich und das Schlafzimmer sind, waren früher dagegen die Damen unter sich zum Plauschen. Erkennbar war das an den noch verbliebenen Resten der Deckenmalereien in zarten Farben und mit lieblichen Motiven.“

Ein Blickfang in dieser Wohnung ist das komplett vorhandene und für die Zeit des Baus des Palazzo typische Fischgrät-Parkett. Wie die Stuckdecke auch, ist es explizit denkmalgeschützt. Kerstin Bertz: „Aus diesem Grund konnten wir in dieser Wohnung keine Fußbodenheizung verlegen und setzten stattdessen plane, unauffällige Heizkörper. Die gesamte Installation wurde hinter den Wänden verlegt.“

Auf eine wahre Sensation stießen Kerstin Bertz und ihre Mitarbeiter in der Wohnung Nummer Acht: „Über den wohl in den 1950-er Jahren eingezogenen Zwischendecken lag die fast vollständig erhaltene Deckenbemalung des einstigen Festsaals. Sämtliche Trennwände, die nach Toresschluss des Grandhotels eingezogen worden waren, um zusätzliche Räume zu gewinnen, sind nun wieder verschwunden. Kerstin Bertz: „Das bedeutet, dass wir uns nicht in einem Wohnzimmer, sondern tatsächlich in einem gigantischen Wohnsaal von fast fünf Metern Höhe bewegen. Das Deckengemälde von Friedrich Thiersch wurde restauriert und ist nun wieder das Schmuckstück des Palazzo“ (siehe gesondertes Kapitel).

Einfallsreichtum zeigte die Architektin, um für diese Wohnung Bad, Koch-, Ess- und Schlafbereich zu schaffen. Der Festsaal in der dritten Etage erstreckt sich über die gesamte linke Hälfte des Palazzo. Zur Zeit des Serbenfürsten war seine Wand auf der Nordseite jedoch eine Außenwand, dekoriert mit einem Fries, den viele Passanten bewundert haben dürften.

In der Grandhotel-Epoche wurde der Palazzo genau an dieser Nordseite um einen ebenfalls dreigeschossigen Anbau erweitert. Das obere Stockwerk wurde komplett als Dachterrasse gestaltet und war – nachdem drei Durchbrüche in die einstige Hausmauer geschlagen worden waren – vom Ballsaal aus zu begehen. Damit konnten die illustren und prominenten Gäste des Bayerischen Hofes frische Tegernseeluft in den Tanzpausen schnappen.

Später wurden diese Dachterrasse und ihre Öffnungen zum Ballsaal zugunsten von Wohnungen auf dieser Fläche wieder geschlossen. Kerstin Bertz :„Nachdem wir herausgefunden hatten, dass der ebenfalls denkmalgeschützte Anbau des Palazzo ja in der Vergangenheit bereits eine Dachterrasse besessen hatte, genehmigte die Denkmalschutzbehörde, die uns stets hervorragend unterstützte, den Rückbau. Jetzt verfügt die Wohnung Nummer Acht wieder über eine Dachterrasse, die sich allerdings nicht mehr entlang der kompletten Nordseite zieht. Nach vorne zur Seefrontseite haben wir zwar einen großzügigen Freisitz angelegt, dahinter bleibt die Fläche aber überbaut, um dort eine Lounge, die Bäder sowie den Schlafbereich unterzubringen. Der Fries ist natürlich restauriert worden und einer der alten Durchbrüche wurde geöffnet, um die Verbindung zum benachbarten Festsaal bzw. jetzt zur Wohnlandschaft erneut herzustellen. Alles in allem kann sich der Eigentümer dieser Wohnung über ein 240 Quadratmeter umfassendes Areal mit Seeblick und 2 Terrassen erfreuen.

Verlegt wurde das 2. Treppenhaus - verkleidet mit einer Natursteinwand, die freigelegt wurde, - im Anbau, so dass sich der Eingang nicht mehr an der Seite, sondern ebenfalls an der Münchner Straße befindet.

Im Erdgeschoss hat eine Zweizimmerwohnung Platz gefunden. Über eine seitlich verglaste Freitreppe wird eine Dreizimmerwohnung erreicht, die sich nicht allein durch ihre über 100 Quadratmeter Wohnfläche auszeichnet, sondern auch durch einen zum See gerichteten Balkon und eine zur Gartenanlage hin ausgerichtete Loggia.

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